Carl Fahringer – Nicht nur Tiermaler

Carl Fahringer – Nicht nur Tiermaler

Papageien in den schillerndsten Farben, eine Eule mit einem durchdringenden Blick, ein leuchtend weißer Kakadu, Löwen und Leoparden so lebensecht wie auf einem Foto – Carl Fahringer hat die exotischen Tiere auf seinen Reisen gesehen und im Tiergarten Schönbrunn beobachtet und zu Papier bzw. Leinwand gebracht. Er galt und gilt als der beste Tiermaler aller Zeiten, aber auch seine Darstellungen aus den beiden Weltkriegen sind von kunsthistorischer Bedeutung.

Carl Fahringer - Mehr als ein Tiermaler

Studium an der Wiener Akademie

Carl Fahringer wurde am 25. Dezember 1874 in Wiener Neustadt in der Näher der Maria Theresianischen Militärakademie geboren. Bereits in der Gymnasialzeit, die durch zahlreiche Schulwechsel gekennzeichnet war, kristallisierte sich der unruhige und kritische Geist des jungen Mannes heraus. Mit 18 Jahren begann Carl Fahringer 1892 an der Wiener Akademie der Bildenden Künste Malerei bei Sigmund l’Allemand, Christian Griepenkerl und August Eisenmenger zu studieren. Auch dort fiel er durch sein unkonventionelles Verhalten auf: Als eines Tages eine Dame die Akademie besuchte, stellte er sich als Statue, nackt, in eine Nische – Carl Fahringer musste daraufhin die Akademie verlassen und setze sein Studium ab 1898 bei Carl Marr in München fort.

Carl Fahringer - Der Künstler

1904 heiratete er Rosina Strobl, mit der er einen Sohn hatte. Doch die Ehe machte Fahringer nicht glücklich, und so ging er oft mit seinem Bruder Josef auf Reisen und war kaum zu Hause.
Die Faszination der Stätten und des Lebens in Italien, Türkei, Ägypten und dem Balkan hielt er in zahlreichen Bildern fest, mit denen er seine ersten Erfolge feierte.
1903 trat er dem Hagenbund bei und vier Jahre später wurde er Mitglied des Künstlerhaus in Wien. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs beschäftigte sich Carl Fahringer mit der alten Kunst der Buchillustration. Märchen von Ludwig Bechstein, Wilhelm Hauff oder den Gebrüder Grimm bzw. Werke von Johann Wolfgang von Goethe und Adalbert Stifter wurden durch seine Bilder lebendig.

Zu Beginn des Krieges meldete sich Carl Fahringer freiwillig zum Dienst an der Waffe und kämpfte in Galizien und an der Isonzofront. 1914 kam er zur Kunstgruppe des Kriegspressequartiers, die für ihn allerdings ein „Kriegsmalschwindel“ war, weshalb er sich wieder an die Front versetzen ließ. Die Bilder aus dieser Zeit befinden sich im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien und zeigen die düstern Seiten des Krieges. Mit vielen Orden und Auszeichnungen wurde sein tapferes Verhalten im Krieg gewürdigt.

1921 unternahm Carl Fahringer seine erste Reise nach Holland, die ihn auch weiter in die Kolonie Bali führte. Dort kam er das erste Mal mit der tropischen Tier- und Pflanzenwelt in Berührung. Auch die fremdländischen Straßenmärkte fanden in seinen Bildern Beachtung. Acht Jahre später gelangte er wieder nach Südostasien, da ihn die exotischen Landschaften und die Tierwelt schwer beeindruckten. In dieser Zeit änderte sich seine Farbpalette: Überwiegen in den Bilder von den Kriegsschauplätzen noch die eher trüben und düsteren Farben, sprühen die Darstellungen der wilden Tiere und der Hafen- und Marktszenen vor feurigen und kräftigen Farben.

Von 1929 an leitete Carl Fahringer die Klasse für Malerei an der Wiener Akademie der Bildenden Künste, ab 1945 führte er dort das Fach Tier- und Landschaftsmalerei. Eine Generation junger Malerinnen und Maler nahmen sich den Stil Fahringers als Vorbild, so zum Beispiel Stefan Praschl (1910-1994), der gemeinsam mit Carl Fahringer im Tiergarten Schönbrunn vor den Gehegen saß und die Tiere in ihrer ganzen Pracht abbildete.

Auch während des Zweiten Weltkriegs war Carl Fahringer, bereits 66 Jahre alt, an der Front – diesmal in Frankreich und Griechenland – und stellt die Kriegsgeschehnisse für die Daheimgebliebenen dar. Nach 1945 wurde er aus der Akademie entlassen – wie er seinem Sohn schrieb: als einziger Antinazi.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Carl Fahringer in Schönbrunn, wo er seine geliebten exotischen Tiere wie Löwen, Leoparden und Papageien, die ihn an seine zweite Heimat Südostasien erinnerten, in allen Facetten malte. Er starb im 78. Lebensjahr am 4. Februar 1952 in Wien.

Der Tiermaler

Carl Fahringer galt und gilt, neben Ludwig Heinrich Jungnickel (1881-1965) als der beste und ausdrucksstärksten Tiermaler.
Schon zu Beginn seiner Tätigkeit verbrachte er viel Zeit in Schönbrunn und malte die Tiere und Besucher des Gartens. Oft skizzierte er die Aquarelle vor Ort und vollendete sie dann in seinem Atelier. Auf seinen Reisen nach Indonesien und Bali sah er die Geschöpfe in ihrer natürlichen Umgebung und brachte diese als farbenfrohe Gemälde nach Wien. Auch die Hafen- und Marktszenen boten neue Motive für den Künstler.
Anfänglich noch beeinflusst von der Münchner Schule des 19. Jahrhundert entwickelte Carl Fahringer im Lauf der Zeit durch Kriegserlebnisse und Reisen in ferne Länder seinen eigenen, unverkennbaren spätimpressionistisch-expressiven Stil. Mit seinem charakteristischen Pinselstrich hauchte er exotischen Tieren, fremden Häfen und Märkten, Menschen in Park von Schönbrunn Leben ein. Die Bilder des Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg wurden zu Gunsten des Roten Kreuzes auf Postkarten reproduziert. Bekannt sind auch seine kleinen Aquarelle von Familien, wie sie mit Sack und Pack nach Schönbrunn – seinem Lieblingsplatz in Wien – gehen.

Seine stark farbige Malweise und die breite Linienführung sind typisch und einzigartig für die Aquarelle, Zeichnungen und Ölgemälde von Carl Fahringer.

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