Walter Bosse und seine Keramiken

Walter Bosse und seine Keramiken

Walter Bosse wurde am 13. November 1904 in Wien in eine künstlerische Familie hineingeboren: Sein Vater Julius war als Portraitmaler am Zarenhof tätig und seine Mutter Luise produzierte Collagen. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 wollte sich die Familie längerfristig in Abazzia niederlassen, doch mussten sie auf Grund der Kriegswirren in ihr Landhaus nach Kufstein fliehen. Walter Bosse entwickelte schon früh sein künstlerisches Talent und bastelte mit seiner Schwester Gretel neben dem Besuch von öffentlichen Schulen am liebsten Wachsfiguren.

Nach Ende des Ersten Weltkriegs schickte ihn seine Mutter – der Vater war mittlerweile verstorben – in die k.k. Kunstgewerbeschule des Museums für Kunst nach Wien. Dort studierte er unter der Leitung von Michael Powolny Keramik und bei Franz Cizek Ornamentik. Seine Ausbildung setzte er für ein Jahr bei Richard Riemerschmid an der Kunstgewerbeschule in München fort. Seine große Begabung erkannte Josef Hoffmann sehr früh und förderte ihn, wo er konnte.

Walter Bosse, Der Redner

Die frühen 1920er Jahre im Atelier in Kufstein

Sein erstes Keramikatelier eröffnete Walter Bosse 1921 nach Abschluss seiner Lehren in Kufstein. Die frühen Figuren sind charakterisiert durch die grotesken Darstellungen der Lippen, Augen und Finger und einer verspielten Mimik. Seine Entwürfe wurden in den Wiener Werkstätten, der Porzellanmanufaktur Augarten und auch im Atelier Goldschneider umgesetzt.

Ein wunderschönes Beispiel dieser frühen Zeit ist der „Redner“ aus dem Jahr 1920, die in der Manufaktur Augarten gefertigt wurde. Eine kleine zierliche Figur lehnt an einem überdimensionalen Blumenstiehl mit einem Blatt, eine kleine gelbe Blume ist zu Boden gefallen. Mit wenigen bunten Pinselstrichen hat der Künstler die charakteristischen Details angedeutet. Die Figur erinnert an einen Harlekin: Sein weißes Gewand ist mit grünen und violetten Bündchen eingerahmt, im Gesicht sieht man zwei gelbe Striche, die die geschlossenen Augen andeuten und einen roten Mund. Durch diese reduzierte Zeichnung bekommt das Gesicht einen melancholischen Ausdruck. Der Redner ist ganz in seine Ansprache vertieft – mit seiner Körperhaltung und Mimik bittet er sein Gegenüber um Gehör. Die Farbe Weiß dominiert diese Darstellung.

Die Weltausstellung in Paris 1925

Seinen internationalen Durchbruch hatte Walter Bosse auf der Pariser Kunstgewerbeausstellung 1925. Dort stellt er gemeinsam mit den wichtigsten österreichischen Künstlern und großen Manufakturen wie Augarten Porzellan, Lobmeyr Glas und der Firma Goldscheider aus und wurde dabei im Katalog als „starke keramische Begabung“ bezeichnet.

Eines der Stücke, die auf der Weltausstellung zu sehen waren, war „Ballbub“ (1925 hieß dieser Typus „Knabe mit Ball“). Wir sehen einen am Boden sitzenden Mann, der in seinen ausgestreckten Händen einen Ball hält. Hier überwiegen Blautöne und das charakteristische weiße Gesicht. Ernst blickt er den Betrachter an.

Walter Bosse, Mann mit Antilope

Eine weitere Figur, die aus der Zeit der Weltausstellung stammte und von Augarten Wien produziert wurde, ist der sogenannte „Mann mit Antilope“. Wieder fällt das Groteske der Darstellung auf: Eine stehende Figur mit einem spitzen, grün-weiß gestreiftem Hut und einem Gewand mit gelb-grünen Volants, umarmt eine gelbe Antilope.

Walter Bosse, Ballbub

Die Jahre 1924 – 1937 „Bosse Austria“

In den folgenden Jahren finden die Keramiken von Walter Bosse, die in Kitzbühel verkauft wurden, vielen Freunde und Liebhaber im In- und Ausland. Amerikanische Touristen machten den Künstler auch in Übersee bekannt. Daher finden sich seine Stücke in zahlreichen Privatsammlungen und Museen im In- und Ausland. Seine Entwürfe wurden später auch in Metallminiaturen umgesetzt und gelten als wichtigste Arbeiten der Zwischen- und dann auch Nachkriegszeit. Er gründet seine Firma „Bosse Austria“ und setzt auf jedes Stück die Marke mit diesem Namen.

Die hier vorliegenden Figuren weisen, wie die meisten aus dieser Zeit, oft verzerrte Züge auf. Die Augen sind oft nur als Schlitze oder Löcher dargestellt. Das Auffallendste ist die Lasur: Mit großer Sicherheit trug Walter Bosse die kräftigen Farben auf. Geschickt vereinigte er kräftiges Gelb, Blau, Rot und Grün miteinander – er komponierte die Couleurs wie eine Symphonie und haucht dadurch Leben in die Darstellungen ein. Keiner verstand die Kombination von Töpferkunst und Malerei so gut wie Walter Bosse.

Walter Bosse, Trompeter

Walter Bosse, Ziehharmonikaspieler

Walter Bosse, Lesender Junge

Walter Bosse, Lesendes Mädchen

1938 – 1953 – BOSSE und TERRA

Die Krise der Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg brachten die Produktion in Tirol zum Erliegen. Walter Bosse übersiedelte nach Wien und eröffnete dort eine neue Produktion, die er mit dem sogenannten Gemsentier mit „BOSSE“ (1938-1947) oder „TERRA“ (1947-1951) – eine seiner weiteren Firmen – markierte. Seine Werkstätte beschäftige zeitweise hunderte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die große Nachfrage zu bewältigen.

Die schwierigen Zeiten hinterließen auch ihre Spuren in den Figuren: Sie verlieren ihr unschuldiges Wesen, und das Lächeln früheren Darstellungen verschwindet. Nie mehr produzierte Walter Bosse solch phantasievollen Wesen – seine kindliche Sicht der Dinge ist für immer verschwunden.

Ende der 40er Jahre begann Walter Bosse seine Tierdarstellungen auch in Messing zu gießen. Wie sein Mitbewerber Karl Hagenauer finden sich Lebewesen aller zoologischer Gattungen wieder. Walter Bosse sagte selbst, er wolle möglichst vielen Menschen Freude machen, und das gelang ihm so gut, dass seine Figuren auf zahlreichen Messen ausgestellt und im In- und Ausland gekauft und gesammelt wurden. Das Material Messing trat seinen Siegeszug in Welt des Kunstgewerbes an.

Walter Bosse, Eule

1950 – 1972 Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe und Firma Achatit in Köln

Walter Bosse war Künstler und kein Geschäftsmann, und so entwickelten sich auch Ende der 40er Jahre finanzielle Probleme. Er verließ Wien und errichtete in Deutschland eine weitere Produktionsstätte. Zwölf Jahre lange – von 1950 bis 1972 – war Walter Bosse freier Mitarbeiter der Staatlichen Majolika Manufaktur Karlsruhe. In dieser sehr produktiven Zeit entstanden in etwa 245 Keramik-Figuren. Er wollte seine Entwürfe vermarkten und dafür Lizenzgebühren einheben. Doch nicht jeder meinte es gut mit dem Künstler, und Walter Bosse zog oft vor Gericht, um zu seinem Recht zu kommen. Er gilt als Begründer des modernen Urheberrechtes für Designerware und Kunsthandwerk.
In dieser Zeit werden unter anderem auch wieder viele Tierfiguren hergestellt, wie zum Beispiel eine kleine Eule.

In den Jahren 1958 bis 1961 stellt Walter Bosse als freier Mitarbeiter der Firma Achatit in Köln-Junkersdorf über 20 Grotesken als Voll- und Halb-Plastiken her. In all den Jahren produzierte Walter Bosse in etwa 8000 Modelle und Entwürfe, fast ein Drittel Keramiken.

Trotz seiner hohen Produktivität konnte Walter Bosse seine finanziellen Probleme nie in den Griff bekommen und starb nach seinem zweiten Konkurs am 13. Dezember 1979 verarmt in Iserlohn in Deutschland.

Walter Bosse zaubert mit seinen Figuren, seien es die in Keramik oder Messing, ein Lächeln ins Gesicht. Auf kleinster Fläche stellt der Künstler Mensch und Tier in teils in prächtigen Farben, mit wenigen, feinen Pinselstrichen und mit größter Kunstfertigkeit dar, und erfreut damit sein Publikum.

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