August Rieger – Der Autodidakt der Klassischen Moderne

August Rieger – Der Autodidakt der Klassischen Moderne

August Rieger wurde am 1. Juli 1886 als August Vorhauer im Wiener Vorort Pötzleinsdorf geboren. Der Sohn eines Kunsttischlers sollte eigentlich Priester werden und so schickten ihn seine Eltern in ein katholisches Priesterseminar. Sein Talent wurde weder von den Eltern noch im Studium gefördert, daher musste er seine Begabung unterdrücken und wählte schon während des Theologiestudiums sein Pseudonym „August Rieger“.

Nach kurzer Zeit verließ er das Priesterseminar und wurde Finanzbeamter. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs malte er neben seinem Beruf, ab 1923 widmete er sich ausschließlich der Malerei. Seine Werke wurden von Anfang an in Galerien und Kunstvereinen ausgestellt und er wurde von den Kritikern als professioneller Künstler anerkannt.

August Rieger - Der Autodidakt der Klassischen Moderne

1938 erblindete er 52-jährig auf einem Auge, setzte aber seine künstlerische Arbeit unbeirrbar fort. Am 22. April 1941 starb August Rieger in Wien.

Er hinterlässt ein großes Oeuvre an Bildern in seiner typischen expressiven Malweise. In seinem Stil hat sich August Rieger von seinem guten Freund Carl Moll inspirieren lassen. Seine Werke finden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland unter anderem in der Österreichische Galerie Belvedere, im Wien Museum, Leopold Museum, in der Albertina.
Wenig ist vom Privatleben des Künstlers bekannt. Er lebte mit seiner Frau in Pötzleinsdorf, dessen Schloss ein beliebtes Motiv Riegers war.

Die Themen der Werke August Riegers lassen sich grob in drei Kategorien einteilen:

August Rieger und das Wasser & das Leben am Ufer

August Rieger liebte das Wasser und das Leben in und um das Wasser. Mit seinen Darstellungen der Badenden im Prater, in der Lobau, in den Praterauen, in Klosterneuburg stellte Rieger das sommerliche Vergnügen mit ein paar Pinselstrichen dar. Seien es die Damen im und am Wasser, die Segelboote an der alten Donau – man hat immer das Gefühl Teil der Szene zu sein. Mit wenigen Linienführungen fängt Rieger das Licht und die Spiegelungen im Wasser ein, lässt das Gras sich im Wind wiegen. Viele seiner Bilder haben keinen Himmel, sondern zeigen nur einen Ausschnitt der Gegend und bieten somit einen überblickbaren Raum.

Bei dem Bild „Flusslandschaft“ aus dem Jahre 1939 kann man an der veränderten Malweise erkennen, dass August Rieger nicht mehr mit seiner vollen Augenkraft malen konnte. Das Aquarell ist verwaschener, die Landschaft und die Kühe sind nur mehr zu erahnen. Dennoch ist es von einer starken Farbintensität.

Badende im Prater, 1932

Badende in den Praterauen

Badende, 1932

Flusslandschaft, 1939

August Rieger und die Stadt & ihre Gebäude

August Rieger wanderte leidenschaftlich gerne durch die Vorstädte Wiens. Im heutigen 18. und 19. Bezirk fand er unzählige Motive, die er in zahlreichen Ölbildern und Aquarellen zu allen Jahreszeiten festhielt. Mit seinem expressiven Pinselduktus setze er landschaftliche Akzente.

Auch hier – wie bei den Bildern der Gewässer – schafft es der Maler, mit einem kleinen Ausschnitt eine Stimmung der Ruhe zu erzeugen. Mit seinen charakteristischen Strichen skizziert er Häuser, Kirchen, Bäume und Brücken.

Hütteldorf, 1934

Stadt Tepl, 1926

Neustift am Walde, 1933

Nussdorf, 1929

August Rieger und Menschen

In dem Frühwerk „Lesestunde“ aus dem Jahre 1912 kann man schon den typischen expressiven Pinselzug August Riegers erkennen. Der 28jährige hat das junge Mädchen mit wenigen Strichen in das Zimmer mit dem gemusterten Teppich platziert. Sie sitzt, den Kopf auf ihrer Hand aufgestützt, seitlich bei Tisch. Die Einrichtungsgegenstände sind nur angedeutet. Eine weiße Lampe bildet den Mittelpunkt des Bildes.
18 Jahre später hat er wieder eine Lesende gemalt. Diesmal sitzt die Dame mit dem Rücken zum Betrachter. Jetzt sind die Möbel deutlich erkennbarer; sogar die grüne Schüssel auf dem Kasten kann man sehen. Auch hier bildet die Leseleuchte auf dem Tisch das Zentrum des Bildes.

In beiden Bildern erhellen die Lampen den Tisch; eine weitere, nicht sichtbare Lichtquelle macht den Raum heller.

Expressionistisch in der Darstellung sind die beiden Bilder „Rauchende Dame“ aus dem Jahre 1925 und das „Portrait Carl Moll“. Mit wenigen Strichen umreißt Rieger die Dame der Wiener Gesellschaft. Keck hat sie die rauchende Zigarette in ihrem Mundwinkel stecken und blickt auf die Seite. Auch Carl Moll, August Riegers guter Freund, blickt auf die Seite. Müde schaut der alte Mann mit weißem Haar und weißem Bart – erschöpft von seinem Leben. Das Bild ist nicht datiert, doch entstand es möglicherweise zum 75. Geburtstag Carl Molls 1936.

Lesestunde, 1912

Rauchende Dame, 1925

Lesestunde in der Stube, 1930

Portrait Carl Moll

August Rieger zählt auf Grund der Expressivität seiner Farben und seines Striches neben Carl Moll, Josef Dobrowsky, Felix Albrecht Harta oder Ernst Huber zu den wichtigsten Protagonisten der Klassischen Moderne bzw. der österreichischen Landschaftsmalerei.

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