Emil Jakob Schindler und Carl Moll – nur Lehrer und Schüler?

Emil Jakob Schindler und Carl Moll – nur Lehrer und Schüler?

In diesem Kunstblog gehen wir der Frage nach in welcher Verbindung Emil Jakob Schindler und Carl Moll standen. Nur Lehrer und Schüler oder einte die zwei österreichischen Künstler noch mehr?

Carl Moll und Emil Jakob Schindler

Emil Jakob Schindler

Emil Jakob Schindler wurde am 27. April 1842 in Wien Leopoldstadt in eine Fabrikantenfamilie geboren. Statt die geplante Militärlaufbahn einzuschlagen, begann er im Alter von 18 Jahren an der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu studieren und wurde Schüler von Albert Zimmermann (1809-1888). Den Lehrer wählte er nur, um dessen Maltechnik zu erlernen. Vorbilder fand er in der Schule von Barbizon (einer Gruppe französischer Landschaftsmaler gegen Ende des ersten Drittels des 19. Jahrhunderts) und bei den niederländischen Landschaftsmalern des 17. Jahrhunderts. Diese Maler wandten sich der realistischen Landschaftsmalerei zu. Sie skizzierten ihre Werke vor Ort und stellten sie im Atelier fertig. Die Bilder der französischen Künstlergruppe lernte Emil Jakob Schindler 1873 bei der Wiener Weltausstellung kennen, als seine Werke zum ersten Mal ausgestellt wurden.

In dieser Zeit war er mit Hans Makart (1840-1884) befreundet und wohnte auch mit dem Malerfürst in dessen Wohnung. In den siebziger Jahren des 19. Jahrhundert reiste Schindler nach Italien, Dalmatien und Holland und perfektioniert dabei seine Malweise.

Er selbst nannte seinen Stil „Poetischen Realismus“, da es ihm nicht nur um das Erfassen der realen Umgebung ging, sondern er wollte auch das Gefühl dahinter darstellen. Er verkleinerte den Bildausschnitt und skizzierte mit wenigen Strichen eine Küstenlandschaft, einen Fluss, Hügel in einer Intensität, sodass der Betrachter meint, das Rauschen der Wellen und das Pfeifen des Windes zu hören. Anfänglich noch im Stil der französischen Impressionisten löste sich Schindler im Lauf der Jahre vom dem an der Akademie unterrichten Impressionismus und entwickelte einen eigenen, typisch österreichischen Stimmungsimpressionismus. Diese Art der Umsetzung gab er auch seinen zahlreichen Schülerinnen und Schülern weiter.

Im Februar 1879 heiratete Emil Jakob Schindler die deutsche Sängerin Anna Sofie Bergen (1857–1938), die zu diesem Zeitpunkt bereits mit Tochter Alma (die spätere Ehefrau von Gustav Mahler, Walter Gropius und Franz Werfel) schwanger war. Auf Grund der knappen finanziellen Mittel wohnte die junge Familie anfangs beim Malerkollegen Julius Victor Berger. Während einer Reise Schindlers begann die junge Ehefrau mit diesem Kollegen ein Verhältnis, aus welchem wohl die zweite Tochter Grete hervorgegangen ist.
Zwei Jahre nach der Hochzeit gewann Emil Jakob Schindler den Reichl-Künstlerpreis und konnte sich mit dem Preisgeld von 1500 Gulden endlich eine eigene Wohnung leisten. Die daraus entstandenen Aufträge brachten der Familie endlich Wohlstand.
Ab 1885 verbrachte der Künstler mit seiner Familie die Sommer in Schloss Plankenberg (Niederösterreich) und versammelte dort seine Schülerinnen und Schüler um sich, unter anderem Marie Egner und Theodor von Hörmann.
Zwei Jahre später erhielt Emil Jakob Schindler den Auftrag vom Kronprinzen Rudolf Küstenorte in Dalmatien und Griechenland in Aquarellen und Tuschezeichnungen abzubilden. Daraus entstanden die Illustrationen für das Buch „Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild“.
Dadurch wurde Schindler zu einem der bedeutendsten Maler der k & k Monarchie, bekam viele Ehrungen z.B. war er Ehrenmitglied der Münchner und Wiener Akademie und erhielt Großaufträge, wie die Ausstattung von vier Deckengemälde im Hochparterre des Naturhistorischen Museums in Wien.
Am Gipfel seines Erfolges reiste er an die Nordsee und starb am 9. August 1892 in Westerland auf Sylt unerwartet an einer Blinddarmentzündung.

Emil Jakob Schindler gilt als wichtigster Vertreter des österreichischen Stimmungsimpressionismus. Anfänglich malte er noch im Stil von Ferdinand Georg Waldmüller (1793-1865), doch standen seine realistischen Werke in Gegensatz zu der romantisierenden Malerei seiner Zeit. Zu seinen Hauptmotiven zählen die Donauauen, Landschaften um Wien und im Salzkammergut und natürlich Küstengebiete, die er auf seinen Reisen besucht hat. Er schaffte es, wie kaum ein zweiter, Stimmungen in seine Bilder einzufangen. Ihm war es wichtiger die Vergänglichkeit der Stimmung darzustellen als die Atmosphäre mit starken Farben abzubilden. Trotzdem schaffte er es, Licht und Schatten, Sonne, Nebel und Mondlicht so darzustellen, dass der Betrachter sich als Teil des Bildes glaubt.

Carl Moll

Carl Moll wurde am 23. April 1861 in Wien in eine bürgerliche Familie geboren: väterlicherseits Fabrikanten und Apotheker, von mütterlicher Seite Bäcker und ein Onkel: Karl Schmid (1837-1871), Landschaftsmaler in Wien, der das Talent des jungen Knaben erkannte und förderte. Auf Grund einer Anämie konnte Carl Moll nicht die Schule besuchen, begann aber 1879 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Christian Griepenkerl (1839-1916). Zwei Jahre später begeisterte ihn ein Bild von Emil Jakob Schindler so sehr, dass Carl Moll die Akademie verließ und Privatunterricht bei Schindler erhielt. Carl Moll wurde auch ein Mitglied der Künstlerinnen- und Künstler-Gruppe, die sich regelmäßig auf Schloss Plankenberg traf.

Schindler regte seinen jungen Schüler an, dem Impressionismus eine persönliche Prägung zu geben. Moll praktizierte einen zeichnerischen und die Tiefe gehenden Stil, den er bei seinen Farbholzschnitten zur Perfektion führte.

1892 verstarb sein Lehrer und Mentor Emil Jakob Schindler und Moll heiratet dessen Witwe. Stilistisch wandte er sich der stimmungsimpressionistische Landschaftsmalerei zu. Bekannt wurde er durch seine Bilder aus dem Park von Schönbrunn.

Er war Mitbegründer der Wiener Secession, wo ab 1897 zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt wurden. Als Geschäftsführer hatte er auch die Agenden der Organisation und Finanzen über, die er mit Bravour meisterte.
Auf die Anregung von Carl Moll entstand im Jahre 1903 die staatliche Moderne Galerie (heute Österreichische Galerie Belvedere), deren Basis ein Ankauf impressionistischer Bilder aus einer Ausstellung im Künstlerhaus waren.

In den folgenden Jahren schuf Moll zahlreiche Ansichten der Wiener Vorstadt und Wohnungen des Bürgertums. Diese Werke zählen zu den Hauptstücken der Klassischen Moderne in Österreich.

1905 trat Carl Moll gemeinsam mit der Gruppe um Gustav Klimt aus der Secession aus. Er war Leiter der Galerie Miethke und förderte in dieser Position jene Künstlergruppe, organisierte Ausstellungen internationaler Künstler und brachte unter anderem erstmals Werke von Vincent van Gogh nach Wien.
Er unterstütze junge Künstlerinnen und Künstler, wie z.B. Oskar Kokoschka. Für ihn richtete Carl Moll 1937 zu dessen 50. Geburtstag im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute Österreichisches Museum für Angewandte Kunst MAK) eine Ausstellung aus, als Kokoschka in Deutschland bereits als „entarteter Künstler“ galt.
Als Ausstellungsorganisator war er bis 1942 tätig. Die letzte widmete Moll seinem Lehrer Emil Jakob Schindler, dessen 100. Geburtstag zum Anlass für eine große Retrospektive genommen wurde.

In den 1930er Jahren wurde Moll zu einem überzeugten Nationalsozialisten.
Als im April 1945 die Rote Armee vor den Toren Wiens stand, verfasste der 84-jährige einen Abschiedsbrief und schied , gemeinsam mit seiner Tochter und dessen Ehemann, durch Gift am 13. April 1945 freiwillig aus dem Leben.

Großformatigen Farblithographien und Holzschnitte stehen am Beginn des Schaffens von Carl Moll. Im Laufe der Zeit erhalten seine Aquarelle und Ölbilder mehr Räumlichkeit und Tiefe. Der Impressionismus beeinflusst ihn stark, und er wird einer der führenden Stimmungs-Impressionisten Österreichs. In den späteren Jahren kann man auch expressionistische Züge in seinen Werken erkennen. Meist stellt Carl Moll Landschaften dar – Menschen sind nur Teil der Komposition. Mit kräftigen Farben in unterschiedlichen Nuancen und seinem typischen Strich malt er unter anderem Wiener Parks, durch deren Bäume die Sonne strahlt. Man sieht blühende Kastanienbäume und kann förmlich den Flieder daneben riechen.

Das Verhältnis von Emil Jakob Schindler und Carl Moll

Emil Jakob Schindler war bereits ein arrivierter Künstler, als der 20-jährige Carl Moll ein Bild von ihm auf einer Ausstellung des Künstlerbundes in Wien sah. Dieses Werk hat so einen Eindruck auf den jungen Mann hinterlassen, dass er die Akademie verließ und Schindler zu seinem Privatlehrer erwählte. Carl Moll wurde Teil der Schule von Plankenberg – Künstlerinnen und Künstler, die Emil Jakob Schindler auf seinem Schloss um sich scharte und lehrte. Die Familie Schindler nahm den talentierte Moll wie einen Sohn auf, und er war Schüler und Assistent seines Vorbilds. Das außergewöhnliche Organisationstalent des jüngeren führten zu zahlreichen Aufträgen und Ausstellungen von Emil Jakob Schindler, darunter auch die Ausstattung des Naturhistorischen Museums.
Nach dem Tod Emil Jakob Schindlers wurde dessen Nachlass unter der Mitwirkung von Carl Moll in der Kunstgalerie Miethke in Wien versteigert. 1930 verfasste Moll, der auch als Kunstschriftsteller tätig war, eine Biographie über Emil Jakob Schindler. Als eine letzte Ausstellung veranstaltete Carl Moll 1942 zum 100. Geburtstag eine große Retrospektive für seinen Mentor und Lehrer.

Als Schindler längere Zeit auf Reisen war, fingen Anna Sofie Schindler und Carl Moll schon bald ein Verhältnis an, das heimlich jahrelang bestand. Nach dem Tod Emil Jakob Schindlers heirateten die beiden, und Carl Moll adoptierte die beiden Töchter von Anna Sofie. Die Geburt der gemeinsamen Tochter Maria machte 1899 die Familie komplett. Gemeinsam mit dieser Tochter und deren Mann schied Moll 1945 freiwillig aus dem Leben.

Sehr interessant ist der Vergleich der Malstile der beiden Künstler in ihren jungen Jahren.
Emil Jakob Schindler zeigt auf dem Bild „Wäscherin am Donauufer“ (datiert 1868) eine Frau, wie sie auf einer Wäscheleine, die zwischen zwei jungen Bäumen gespannt ist, Kleidungsstücke aufhängt. Der Wind bläst durch die dünnen Äste der Bäume und im Hintergrund fahren Schiffe auf der Donau. Mit wenigen Pinselstrichen deutet der damals 26-jährige Künstler die Frau an: Man erkennt ihr weißes Kopftuch und den braunen Rock – keine weiteren Details. Das Bild ist noch im Einfluss des französischen Impressionismus entstanden, jedoch kann man schon den Beginn des österreichischen Stimmungsimpressionisten, zu den sich Emil Jakob Schindler später entwickelt, erkennen. Die Szene ist nur ein Bildausschnitt: Im Mittelpunkt ist das weiße Kopftuch der Frau, um das die Bäume auf der einen Seite und der Himmel mit dem Wasser und dem Ufer auf der Seite gruppiert sind; am unteren Ende wird das Bild durch die braune Erde begrenzt.

Emil Jakob Schindler
Wäscherin am Donauufer, Öl auf Holz, 41 x 58 cm, um 1868

Carl Moll
Waschtag, Öl auf Holz, 58 x 43 cm, signiert und datiert 1895

Ein ähnliches Motiv hat Carl Moll bei seinem „Waschtag“ aus dem Jahr 1895 dargestellt. Man sieht ein Wäschermädchen in der typischen schwarzen Kleidung mit Haube, das ihrer Tätigkeit in einem Trog auf einem Sockel nachgeht, daneben steht ein großer Korb. Die Szene spielt vor einem gelben Haus mit einer Säule, von dem nur eine Glasfront und eine geöffnete Tür sichtbar sind. Die junge Frau steht auf einem gepflasterten Untergrund. Das Bild hat der 34-jährige Moll ganz im Stil der flächenhaften Malerei der Secessionisten mit mehr Räumlichkeit gemalt, obwohl er bereits Schüler von Emil Jakob Schindler war. Jedes Detail bei dem Gewand der Frau und an der Häuserfront sind erkennbar.
Zwischen den beiden Bildern liegen dreißig Jahre. Beide Werke zeigen die Stile, die Mitte / Ende des 19. Jahrhunderts in Österreich modern waren: „Wäscherin am Donauufer“ von Emil Jakob Schindler aus 1868 ganz im Stil der österreichischen Stimmungsimpressionisten und „Waschtag“ von Carl Moll aus dem Jahr 1895 in dem für ihn typischem zeichnerischen und in die Fläche gehenden Stil.

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